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Reisverslag van Jonas Rafael Lambrigger en Christoph Wille

Buenos Aires,
Argentinie

Nach 15 stündigem Flug senkt sich das Flugzeug
plötzlich. Zuerst nur leicht, doch dann immer schneller, ehe
unter mir die fast endlos weite Stadt Buenos Aires auftaucht. Ein
ganzes Jahr liegt zurück seit ich die Kapitale des Tangos
verlassen habe.
Ein eisiger Wind schlägt mir entgegen als ich den Flughafen
per Fahrrad verlasse. 30 km liegen vor mir bevor ich das Zentrum
erreiche, wo ich mich in einem gemütlichen Hostal niederlasse.
Wenige Tage später treffe ich mich mit Christoph, der via
Abstecher in Brasilien nach Buenos Aires gereist ist. Mit bepackten
Stahlesseln stürzen wir uns in den dichten Verkehr der
Metropole Argentiniens mit der Hoffnung uns nicht in zu verlieren. Der
Anfang auf der 14 spurigen "Avenida de los Libertadores" wo von allen
Seiten Autos an uns vorbeibrausen ist ziemlich anstrengend, da die
gesamte Konzentration gefordert ist, um Unfälle mit den
temperamentvollen Argentiniern zu vermeiden. Christoph, zum ersten Mal
in Buenos Aires, staunt nicht schlecht, als er die 180 m breite
"Avenida 9 de Julio" mit dem Obelisken sieht.
Nach gut einer Stunde unfallfreien Radelns erreichen wir unser Hostal,
wo wir uns zuerst einmal aller Eindrücke entledigen, bevor wir
erneut auf Entdeckungsrundgänge aufbrechen.
Nach ein paar Tagen verlassen wir die rauschende Stadt des
Südens, die Heimat des Tangos und brechen nordwärts
auf.
Gauchos von Jujuy
Es ist vier Uhr abends. Wir befinden uns noch immer velofahrend auf der alten Landstrasse "La Corniza", die Salta mit San Salvador de Jujuy verbindet. Plötzlich fesselt ein geschlachteter, am Boden in seinem Blut liegenden Stier, unsere gesamte Aufmerksamkeit. Neugierig nähern wir uns der Gruppe der Gauchos (Argentinische Cowboys), die gerade damit beschäftigt ist, den Stier mit ihren Messern zu zerlegen. Mit wenigen Schnitten und ein paar Sägeeinsätzen verrichten die Gauchos ihre Arbeit fachgerecht. Das letzte Stück Fleisch kommt auf den Grill, unter welchem bereits ein Feuerchen flackert. Christoph und ich werden dazu eingeladen, uns saftige Stücke vom Fleisch abzusäbeln.
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Bei Einbruch der Dunkelheit
dürfen wir unser Zelt neben den einfachen Adobehütten
der armen, aber sehr freundlichen und zuvorkommenden Bauernfamilie
aufstellen. Etwas später lassen wir uns am Holzfeuer nieder,
um unsere kalten Hände am ruhig flackernden Feuer
aufzuwärmen, ehe wir mit den Gauchos Nordargentiniens zu
plaudern beginnen. Nach ein paar guten Mates (Matetee in einem spez.
Kürbis zubereitet) verkriechen wir uns im Zelt. Am
nächsten Morgen erwartet uns die Señora (Frau des
Gauchos) bereits mit heissem Kaffeewasser. Wir beide sind wiedereinmal
mehr überwältigt von der herzlichen Gastfreundschaft
der sehr armen Landbevölkerung Nordargentiniens.
Während der folgenden Tage radeln wir nordwärts bis
nach "la Quiaca", an die Grenze zu Bolivien. Einer der
Höhepunkte ist unbestritten der "Cerro de los 7 colores" (Berg
der 7 Farben) von "Purmamarca".
Salzwüste von Uyuni, Bolivien
Im Verlaufe des Nachmittages
verlassen wir mit vollbepackten Rädern Uyuni und radeln in
Richtung Colchani, zum Eingang der Salzwüste von Uyuni.
Nach knapp 2 Stunden erreichen wir das kleine Dorf in der kahlen, von
Wind durchpeitschten Hochebene Boliviens. Wir füllen unsere
Wasserbehälter auf und verlassen das Dorf alsbald wieder,
jeder mit etwa 6 Liter Flüssigkeit. Bald erreichen wir die
weisse Unendlichkeit, doch mit Schrecken müssen wir
feststellen, dass der Rand dieses Mal völlig unter Wasser
steht. Nachdem 2 Jeeps die etwa 300m breite Wasserstelle durchquert und
wir gesehen haben, wie tief das Wasser etwa ist, schieben wir barfuss
unsere Räder durch die nasse Stelle aufs harte, trockene Salz
rüber. Wenige Kilometer vor dem Salzhotel schlagen wir unser
Zelt auf.
Am nächsten Morgen nehmen wir die etwa 70 km lange Strecke bis
zur "Isla Inkawuasi" unter die Räder. Am späten
Nachmittag taucht in der Ferne ein kleiner, schwarzer Punkt am Horizont
auf. Es ist die Insel. Jonas-Rafael weiss jedoch noch von seiner
letzten Durchquerung her, dass es noch mindestens 30 km sind. Die
Oberfläche verschlechtert sich zunehmends und vor
Sonnenuntergang erreichen wir eine weitere, nasse Stelle der
Salzwüste. Zu Beginn sind es nur kleine Wasserlachen, die von
Salzkristallen durchsetzt sind, doch je mehr wir uns der Insel
nähern, desto tiefer wird das Wasser und desto langsamer
kommen wir voran. Unsere Fahrräder schlagen auf und ab und es
kostet uns viel Energie daran zu glauben, dass es einen Sinn gibt, die
Salzwüste bei derartigen Verhältnissen zu
durchradeln. Mit untergehender Sonne beginnen sich die in weiter Ferne
liegenden Vulkane im Wasser der Salzwüste rosa zu spiegeln. Es
ist eine skurrile und bezaubernde Landschaft, die für die
Strapazen grosszügig entschädigt.
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Leider gibt es keine
Möglichkeiten mehr unser Zelt im Trockenen aufzuschlagen. Die
Sonne ist bereits untergegangen, doch bis zur Insel hin, fehlen noch
immer gute 15 km. Die letzte Stunde radeln wir bei völliger
Dunkelheit im Salzwasser. Der Kompass funktioniert
glücklicherweise und mittels diesem verlieren wir die Richtung
zur Insel nicht. Wenige Meter vor der Insel tauchen unsere Velos bis
etwa 30 cm tief ins kalte Salzwasser ein. Müde aber sehr froh,
die Insel erreicht zu haben, schlagen wir unsere Zelte im Trockenen auf.
Am folgenden Tag pedalen wir während 4 Stunden durchs
Salzwasser bis wir die "Isla del Pescado" erreichen. Von dort aus
trocknet die Salzwüste in Richtung "Llica" langsam aus. Die
Salzoberfläche bleibt ungemütlich fürs
Fahrradfahren. Nach 4 Tagen und 3 Nächten in der
Salzwüste sind wir froh, endlich wieder richtigen Boden zu
erreichen.
10 en 19
Yungas, Bolivien
Mit bepackten
Fahrrädern brechen wir am Morgen in La Paz auf, um die Fahrt
in den bolivianischen Amazonas unter die Räder zu nehmen. Auf
dem höchsten Punkt der Strasse, auf 4700m.ü.M,
beginnt es zu schneien und dichte Nebelschwaden hüllen uns
ein. Uns kommt es vor, als wären wir im Winter.
Nach wenigen Kilometern verlassen wir den Asphalt und begeben uns auf
die alte Yungastrasse. An vielen Stellen ist die Strasse wegen starker
Regenfälle teilweise oder ganz ausgewaschen.
Auf etwa 3500m holt uns die Vegetation wieder ein. Die an uns
vorbeiziehenden Nebelschwaden und der leichte Regen erinnern uns an den
Herbst.
Nach dem Drogenkontrollposten, wo merkwürdigerweise nur die
Fahrzeuge kontrolliert werden, die ins Kokagebiet fahren und nicht
diejenigen, die zurückkommen, beginnt die manchmal
atemberaubend, schmale Yungasnaturstrasse.
An gewissen Stellen wurde die Strasse einfach in eine senkrechte oder
leicht überhängende Felswand reingehauen. Etwas
mulmig zu Mute ist es uns, als wir so einen Meter neben dem manchmal
mehrere hundert Meter tiefen, senkrechten Abgrund mit unseren
Rädern entlangzirkeln.
Nach etwa 70 km Abfahrt erreichen wir den Sommer. Um uns herum ist
alles grün, es wuchern Bananenstauden, Papayasbäume
und andere tropische Pflanzen. In Coroico, einem schmucken, kleinen,
touristischen Ort ruhen wir uns aus und geniessen das warme Klima.
